Eine Zusammenfassung

Auf meiner früheren Webseite hatte ich ein Tagebuch, in dem ich in unregelmäßigen Abständen aus Irland "berichtet" habe. Dieses will ich hier durch eine Zusammenfassung ersetzen.

Teil 1: Der Aufbruch

Am 17.09.2005 begann für mich das Abenteuer: um meine Abschlussarbeit (Masterthesis) zu schreiben, machte ich mich auf zur University of Limerick in Irland. Im Vorfeld hatte ich bereits telefonisch Kontakt mit meinem dortigen Betreuer und auch die Unterkunft war schon gebucht.

Ich selbst war jedoch noch nie in Irland gewesen. Was würde mich dort also erwarten? Nicht mehr lange, und ich werde es wissen.

Mit Bus und Bahn machte ich mich also auf - zunächst zum Flughafen Hahn. Der Flug mit Ryanair verlief ruhig - zum Glück, denn Kotztüten hat man eingespart. Mitten in der Nacht erreichte ich den Flughafen Shannon (nordwestlich von Limerick) und musste mir daher ein Taxi nehmen. Der Fahrer fragte mich, woher ich komme und bat mich, vorne Platz zu nehmen. Warum er grinste, war mir Sekunden später klar: obwohl ich es wusste, stieg ich auf der falschen Seite ein!

Smalltalk mit dem Taxifahrer war leider nicht möglich - der Dialekt ist schrecklich!

Nach einer Nacht in einem Hotel machte ich mich am nächsten Morgen per Bus auf in die City. Die Bushaltestelle ist direkt gegenüber vom Hotel - auf der anderen Seite einer zweispurigen Schnellstraße! Allerdings ist die Verkehrsdichte so gering, dass eine Überquerung auch mit Gepäck kein Problem ist.

Teil 2: Erste Eindrücke

Tja, da stehe ich nun an einem Sonntagmorgen in der Stadtmitte von Limerick. Absolut tote Hose! Ich habe noch etwas Zeit, bis der Bus zur Uni kommt, also schaue ich mich um.

Zuerst mal: es gibt viele kleine Laeden, die sich voneinander durch sehr bunte Fassaden unterscheiden. Ich find das richtig gut, weil es so etwas heimeliges, menschliches hat, nicht so die kalten, sachlichen Glasfassaden wie in unseren Städten.

 

Nach wenigen Minuten bin ich auf eine Strasse gestossen, da musste ich einfach den Fotoapparat rausholen: die Liddy Street! (ist jetzt nicht für alle verständlich, aber egal) Und in dieser Liddy Street liegt auch das "Martins", ein Pub! Jetzt fühl ich mich gleich wohler!

 

So gegen halb eins war ich dann an der Uni angekommen. Diese Uni ist mindestens so gross wie die Uni Karlsruhe, aber sehr viel schöner angelegt, mit jeder Menge gepflegtem Grün und alles sehr modern.

 

Meine Unterkunft ist in einem Wohnheim, wobei Wohnheim eigentlich der falsche Begriff ist, da es eher eine Wohnanlage aus etlichen Reihenhäusern ist. Das Ganze ist ziemlich weitläufig angelegt; ich hab ein Häuschen fuer vier Personen, mein Zimmer ist im Erdgeschoss.

 

Die Ausstattung ist mit deutschen Verhältnissen schwer vergleichbar: die sanitären Anlagen sind etwas einfacher als bei uns, sehen etwas "ländlicher" aus. Aber das ist hier überall so. Ansonsten ist manches hier besser und schöner als in den meisten deutschen Wohnheimen. Die Möblierung ist klasse, Sitzecke und Fernseher ebenfalls, die Küche ist mit allem Notwendigen ausgerüstet; sogar ein Bügelbrett und ein Staubsauger stehen in der Abstellkammer. Nur Putzmittel muss noch organisiert werden. Ein Spar ist gleich um die Ecke, mehrere große Supermärkte (Dunnes, Tesco) zu Fuß erreichbar und ein "Off licence" ist direkt neben dem Spar, ha!

 

Ein (süd)deutscher AStA und eine irische "students' union" lassen sich nicht vergleichen: Die irischen Studierenden haben hier sehr viel mehr Einfluss und finanzielle Mittel - ihnen gehört hier ein ganzer Gebäudekomplex mit Büros, Aufenthaltsräumen, zwei Läden und zwei Pubs.

 

Die Siedlungen hier bestehen meist aus schönen Zweifamilienhäusern - allerdings sind oft ganze Siedlungen mit nur einem Typ aufgebaut. Wie man da besoffen noch das richtige Haus findet, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

 

Am dritten Tag habe ich das typisch irische Wetter kennengelernt: stündlich wechselt die Jahreszeit - "four seasons in a day" lautet das Motto!

Teil 3: Das Leben in der Studentensiedlung

Wie bereits beschrieben, lebte ich in einer Siedlung aus Reihenhäusern; ich hatte ein Häuschen für 4 Personen erwischt.

Im Zusammenleben mit Iren musste ich bald feststellen, dass zumindest die jüngeren Studierenden (ich lebte mit drei weiblichen Vertretern dieser Gattung zusammen) ihren Lebensmittelpunkt immer noch in ihrer Heimat sehen und dementsprechend das Interesse an neuen Freundschaften an der Uni gering ist. Ausländische Studienkollegen werden so gut es geht ignoriert. Schade eigentlich, aber es gibt Ausnahmen. Dafür ist der Zusammenhalt der internationalen Studierenden um so größer. Die älteren irischen Studierenden sind da anders: sie sind gegenüber den ausländischen Studierenden sehr viel offener, ich hab einige Bekanntschaften gemacht und Freundschaften geschlossen. Bereits in der zweiten Woche nahm man mich mit zu einem Kneipenbesuch.


Mit der Zeit musste ich erleben, dass Sauberkeit für junge irische Studierende (ja, auch für Frauen!) nur dann wichtig wird, wenn die Verwaltung die Häuser kontrolliert - also zweimal im Semester. Dazwischen stapelt sich der Müll, bis die Kühlschranktür neben dem Eimer nicht mehr aufgeht. Vom Bad will ich gar nicht reden. Ich hatte in meiner Studentenbude auf dem Unigelände manches Mal einen dicken Hals - ich wusste ja nicht, was mich später in der privaten Studi-WG erwarten wird!

Innerhalb der Studentensiedlung hat die Uni-Verwaltung das Sagen. Ein privater Wachdienst soll für Sicherheit sorgen - die wirkliche Hauptaufgabe besteht aber in der Überwachung der Studenten. Denn jegliche Hausparties und Lärm nach 21 Uhr sowie Besucher nach 21 Uhr sind untersagt! Da kommt schon ein bisschen Knaststimmung auf, wenn man Mitte 20 ist und so bevormundet wird. Aber wo ein Wille ist, da ist auch immer irgendein Weg...

Meist machen wir uns nach einem gemeinsamen Abendessen in eine der umliegenden Kneipen oder Discos auf. Obwohl speziell die spanischen Studierenden schon einiges vertragen, können sie es mit den irischen einfach nicht aufnehmen: Abends um elf liegt alle fünf Minuten einer auf der Tanzfläche, dem die nötige Koordination zur Gleichgewichtserhaltung abhanden gekommen ist.

Einige meiner internationalen Bekanntschaften muss ich hier noch namentlich erwähnen, da wir eine geniale Zeit hatten: Sarah (die mit ihrem Gegröhle sogar Iren erblassen lässt), Juan, Stepan, Martha und Johanna (danke speziell für das tolle Geburtstagsessen).

Teil 4: die University of Limerick

1972 wurde die Universität als "Institut fuer höhere Erziehung" gegründet, den Status als "Universität" bekam sie dann 1989. Es ist die erste neue Universität nach der Staatsgründung.

Dies ist auch der Grund, warum die Gebäude und die ganze Anlage so modern und neu aussehen: sie sind modern und neu! Zudem verfügt die University of Limerick über die drittgrösste universitäre Sportanlage in ganz Europa! Unter anderem gibt es dort eine 50m-Schwimmhalle, was insofern erwähnenswert ist, als es davon nur 2 in ganz Irland gibt. Hierher kommen ganze Olympiamannschaften zum Training, auch Goldmedaillengewinner waren schon hier. Für sie gibt es einen eigenen Trainingsbereich, der sogar für die Studenten tabu ist!

 

Aber nicht nur die Sportanlage ist was besonderes: die "Concert Hall" wird regelmäßig für Großveranstaltungen benutzt. Verhungern muss auch niemand, denn auf dem Campus gibt es knapp ein Dutzend Kantinen, Cafeterien und Pubs.

Das Hauptgebäude besteht aus 5 Gebäuden, die direkt miteinander verbunden sind und zusammen mit dem "White House" (Verwaltungsbau, sehr traditionell gebaut) sowas wie ein Karree mit Anhängseln bilden. Eine sehr praktische Sache, da man so gut wie nie ins Freie muss, und hier regnet es schon ab und zu (wenn es hier mal nen Tag lang nicht regnet, mach ich ein Kreuz im Kalender). Über einen üppigen Vorplatz kommt man zum Haupteingang, der an der Außenseite des "Karrees" liegt. 

Es gibt aber noch weitere Gebäude, wie das "Schuman Building", das etwas weiter weg liegt (ein paar Minuten zu Fuß).

 

Auf diese moderne, weitläufige Anlage ist man sehr stolz, was auch offen gesagt wird. Gerne erwähnt wird dabei auch das "Sports Acitivity Center" irgendwo jenseits von Limerick, das zu 100% der University gehört und wo alles mögliche an Ausrüstung zur Verfügung steht. (Fitness, Klettern, Radfahren,...)

Da hier einige vom AStA mitlesen werden, möchte ich ein paar Dinge zur "Students' Union" sagen: Hier sind ebenfalls Studenten bzw. ehemalige Studenten tätig. Diese bekommen sogar Geld für ihre Arbeit. Für ihre Arbeit haben sie ebenfalls genug Mittel zur Verfügung (ein Teil der Studiengebühren kommt ja denen zu) Zusätzlich werden sie z.B. von Banken unterstützt. Von dem Geld wird dann nicht nur ein Büro, ein Laden und ein Pub betrieben, sondern auch die ca. 60 Clubs und Societies unterstützt (die aber z.T. für die Mitgliedschaft oder für einzelne Aktivitäten nochmal Geld von den Studenten wollen)

Da gibt es dann nicht nur die normalen Sportclubs wie Schwimmen, Rudern, Basketball, Fussball, Leichtathletik, sondern auch Formel1-Stammtisch, Badminton, Debattierclubs, Kletterclub (mit fast wöchentlichen Touren) und internationale Gesellschaft (ebenfalls mit Touren). Da ist richtig Highlife und jeder Student hat die Möglichkeit, sich irgendwo aktiv zu beteiligen und so Freunde zu gewinnen. Nebenbei kann man auf diese Weise auch sehr billig ganz Irland kennenlernen!

Studiert wird hier selbstverständlich auch, wobei Qualität und Anspruch sehr hoch sein sollen. Die Fächerauswahl ist dabei riesig. Hier ein paar exotische Beispiele: "Women Studies" (Frauenstudien), "Family History" (Genealogie, Ahnenkunde), "Nursing" (Krankenpflege, mit fünf Unterbereichen).

Teil 5: und alles andere, was interessant ist

Das Land:

Die Republik Irland (Éire) ist ca. 70000 km² groß und (Stand 2006) gut 4,2 Millionen Menschen leben dort. Ca. 1,2 Millionen davon leben alleine in Dublin und Umgebung. Die "heimliche Hauptstadt" Irlands ist aber Cork; drittgrößte Stadt ist Limerick.

Irland wird oft auch als "keltischer Tiger" bezeichnet, da es wirtschaftlich innerhalb der EU gleich hinter Luxemburg kommt. Dieses Wachstum ist allerdings stark staatlich gefördert; zudem ist das Gefälle zwischen den drei großen Städten und den ländlichen Gegenden recht groß.

Aus historischer Sicht ist Irland in die vier Provinzen Connacht, Leinster, Munster und Ulster unterteilt. Für die aktuelle Verwaltung hat diese Unterteilung aber keine Bedeutung mehr; offiziell ist das Land in 26 Countys eingeteilt.

Das Wetter wird stark durch den Golfstrom geprägt: es gibt kaum mal Schnee. Da der Wind aus Westen kommt, regnet es besonders in den westlichen Regionen sehr oft. Im Winter liegen die Durchschnittstemperaturen bei ca. 5 Grad; ich hab genau eine Nacht lang Schnee erlebt - knapp 1cm!

Es gibt in vielen ländlichen Gegenden immer noch kaum menschliche Einflüsse zu sehen - einzelne Regionen sind einfach zu rauh, um sich dort anzusiedeln. Speziell an der Westküste lohnen sich daher Ausflüge.